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Reisebericht einer "Studienfrau"*

Endlich war es wieder soweit: Die Studienfrauen aus Kirchhörde konnten zusammen mit ihrem Pastor auf Fahrt gehen.

Thema dieser Exkursion: ìKunst und Glauben am Beispiel Tilman Riemenschneiders"

Die Kirchhörder Frauengruppe sollte wieder Gelegenheit haben, sich etwas zu gönnen, zu erleben, etwas gemeinsam zu unternehmen.

Die Fahrt führte uns nach Weickersheim (einstige Residenzstadt der Grafen und Fürsten zu Hohenlohe, eingebettet im Tal der Tauber, inmitten romantischer Landschaft von Wald und Reben), 50km südlich von Würzburg.

Am Freitag, 12.10.1997, um 9:15 Uhr begann unsere Fahrt mit Pfarrer Fischer am Steuer eines Kleinbusses (Hoffentlich geht das auch gut!).

Der Himmel hing an diesem Vormittag nicht voller Geigen, sondern voller Regenwolken.

Pfarrer Fischers Beziehungen in die Chefetage der Wetterabteilung, insbesondere zu Bruder Petrus, schienen etwas getrübt.

Frau Behrendt, Frau Brune, Frau Hümme, Frau Immenroth, Frau Zimmermann und ich sollten das Vergnügen haben, ihn (am Steuer eines Kleinbusses, wenn das nur gut geht!) während der mehrstündigen Fahrt bei Laune zu halten.

9:30 Uhr:

Nun hätte es eigentlich losgehen können, wenn unser Pastor seinen Führerschein dabei gehabt hätte!

Frau Schneider und Frau Fischer befanden sich wahrscheinlich schon am Westhofener Kreuz, wir hingegen noch auf dem Parkplatz am Gemeindehaus Gottessegen

Frau Brune teilte uns dann auch noch auf meine Anfrage hin mit, daß sie keine bunte ìColorado-Mischungî dabei hätte.

Der Beginn der Fahrt stand offensichtlich unter einem schlechten Stern.

15 Uhr:

Heil angekommen in Weikersheim.

Pfarrer Fischer erwies sich als gar nicht so schlechter Chauffeur (eventuell könnte er, falls er der Seelsorge einmal überdrüssig werden sollte, als Busfahrer sein Geld verdienen!). Unser Hotel, "Laurentius", ein niedliches, am Marktplatz gelegenes Quartier, war nun für zwei Tage unser Standort in Weikersheim. ìUnser Pastorî hatte bei der Auswahl ein glückliches Händchen, und alle Mitfahrer waren mit dieser Unterbringung vollauf zufrieden.

Gegen 16 Uhr stand die Schloßbesichtigung des ehemaligen Stammsitzes des Hauses Hohenlohe (17./18. Jahrhundert) mit einem hervorragend erhaltenen Garten (Schloßpark im Stil von Versailles) auf unserem Programm. Nach einer kurzen Verschnaufpause mußte man sich körperlich und seelisch auf das 4-gängige Menü im Hotel Laurentius, Beginn 19:30 Uhr, vorbereiten. An einem wunderbar herbstlich gedeckten Tisch wurden uns folgende Gerichte gereicht:

Anschließend konnten wir nur noch den Aufzug benutzen, da wir die Treppen nach diesem üppigen Mahl nicht mehr hätten bewältigen können.

Für den folgenden Samstag stand das folgende Programm zur Bewältigung an:

10:15 - 11:00 Uhr Besichtigung der Riemenschneider Aläre in Rothenburg

11:00 - 13:00 Uhr Führung (Pfarrer Driemeler) und freie Zeit in Rothenburg

13:30 - 15:00 Uhr Mittagessen im Gasthof ìSchwarzes Lammî in Detwang, neben der Kirche

15:00 - 15:30 Uhr Besichtigung des Riemenschneider Altars in Detwang (Führung: Frau Gertrud Schneider, Creglingen)

15:45 - 16:30 Uhr Besichtigung des Riemenschneider Altars in Creglingen (Führung: Frau Gertrud Schneider, Creglingen; abends: festliches Menü in unserem Hotel)

Wer war Tilman Riemenschneider?

Tilmann Riemenschneider wurde um 1460 mutmaßlich in Heiligenstadt geboren. Er verstarb in Würzburg am 07.07.1531.

Im 15. Jahrhundert kam der spätgotische Schnitzaltar zur Blüte durch Veit Stoß und Tilman Riemenschneider. ìSein Werk ist geprägt durch schwingende Linienführung, Licht- und Schattenwirkungen (R. beließ seine Schnitzwerke seit den 1490er Jahren ohne farbige Bemalung).î

Bedeutende Schnitzaltare: Creglinger Marienaltar um 1502-1505 oder um 1505-1510, Herrgottkirche; Rothenburger Heiligblutaltar um 1501 (1499 ?) -1505, Jakobskirche)

Info zu Rothenburg ob der Tauber:

Rothenburg ob der Tauber, Stadt im westlichen Vorland der Frankenhöhe, Bayern, 11400 Einwohner. Mittelalterliches Stadtbild mit Stadtmauer, Wehrgang, Türmen und Toren, Häusern aus Gotik und Renaissance. In der gotisch evangelischen Pfarrkirche Sankt Jakob (14. und 15. Jahrhundert, Altar von T. Riemenschneider. -1144 erstmals als staufischer Besitz genannt, um 1200 ummauert; 1274-1803 Reichsstadt.

Info zu Creglingen:

Creglingen, Stadt an der Tauber, Baden Württemberg, 4800 Einwohner. Nahebei die Herrgottskirche (1399 geweiht) mit Marienaltar von T. Riemenschneider (um 1502-1505).

Rothenburg ob der Tauber bietet dem Besucher aber nicht nur Historisches.

Ich mußte zuerst einmal mit Frau Zimmermann und Paetznick in Käthe Wohlfahrts Weihnachtsland einfallen. Bunt und schrill, ein Muß für jeden amerikanischen und japanischen Touristen! Leider nichts Passendes gefunden. Aber das sollte sich ändern.

Rothenburg hatte mir ja noch so viel zu bieten. Apfelstrudel mit Sahne und Eis und ein wunderbares Schuhgeschäft. Und das alles bei Kaiserwetter! Der Tag war gerettet. Anschließend Kultur pur in Detwang. Besichtigung der 1000-jährigen St. Peter und Pauls-Kirche mit dem Heilig-Kreuz-Altar von T. Riemenschneider.

Dann Weiterfahrt zur Herrgottskirche in Creglingen mit Marienaltar von T. Riemenschneider:

Der Altar ist vermutlich im Anschluß an den Rothenburger Heilig-Blut-Altar zwischen 1505 und 1510 entstanden. Seinen außergewöhnlichen Platz innerhalb des Kirchenraumes erhielt der Altar aufgrund der Legende von der Heiligen Hostie.

1384 fand ein Bauer beim Pflügen eine Hostie. Dem Wunderglauben der damaligen Zeit ganz verhaftet, wurde dieser Fund als willkommener Anlaß genommen, um an diesem Ort eine Kapelle zu errichten. Genau über der Fundstelle im Kirchenschiff wurde ein Altar aus Stein aufgestellt, der heute noch zu sehen ist.

Der Meister Tilmann Riemenschneider (1460-1531) aus Würzburg erhielt nun am Ende des 15. Jhs. den Auftrag, diesen bereits bestehenden Steinaltar mit einem Aufsatz zu versehen.

Der Altaraufsatz selbst hat die äußere Form einer spätgotischen Monstranz. Im Mittelschrein wird die Himmelfahrt der Maria dargestellt, Szenen aus dem Leben Marias umrahmen diesen. Der Altar ist 9,20 m hoch und 3,68 m breit, die Tiefe beträgt 0,44 m. Der Schrein besteht aus Föhrenholz, die Skulpturen sind aus Lindenholz gearbeitet.

Und wie kann es anders sein, gegen 19:30 Uhr erwartete uns wieder ein üppiges Mahl in unserem sehr schönen Hotel.

Sonntag 12. Oktober 1997, nun hieß es wieder Abschied nehmen. Ade du ìliebliches Taubertalî!

Doch vorher führte unsere Fahrt erst noch zu einem weiteren Meisterwerk T. Riemenschneiders in die ehemalige Klosterkirche in Maidbronn bei Würzburg. Hier handelt es sich im Gegensatz zu seinen anderen Arbeiten (Altäre aus Holz geschnitzt, in denen Riemenschneider den Gewändern aller dargestellten Personen einen lebendigen Faltenwurf verlieh, wodurch die den Figuren innewohnende Bewegung unterstrichen wird. Die feingliedrigen, zarten Hände, an denen man gleichsam die Lage und den Weg der mit Blut gefüllten Adern erkennen kann, verraten die vorzügliche Beobachtungsgabe des Künstlers, der wie ein Biologe den menschlichen Körper studiert haben muß.

Herausragend sind auch die skulpturellen Nachbildungen menschlicher Bart und Haartrachte.) um einen aus Stein gemeißelten Altar, der die Beweinungsgruppe darstellt. Ein schöner Abschluß unserer Fahrt.

Ende der Reiseberichterstattung! Für diesen ganz persönlichen Beitrag ist Sabina Anders verantwortlich!

Ich möchte mich bei allen Teilnehmerinnen (Frau Behrendt, Boucke, Brune, Erlenkamp, Dr. Fischer, Hofstetter, Holtei, Hümme, Prof. Dr.Immenroth, Jüngst, Lammers, Paetznick, Schneider und Zimmermann) unserer Fahrt für dieses harmonische und unterhaltsame Wochenende bedanken.

Pfarrer Fischer hatte diese Studienfahrt wie immer gut vorbereitet und somit für ein gutes Gelingen gesorgt.

Danke!

Sabina Anders

* Bei einem eventuell neuen Projekt des Kreises wird ein Vorabdruck des Verlaufs im "Gemeindegruß" publiziert. (zum Seitenanfang)

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