Liebe Gemeinde,
Manchmal erscheint es uns, als zerrinne uns die Zeit zwischen unseren Fingern. Ältere Menschen spüren dies, wenn sie sich erinnern. Die Zeit, die hinter ihnen liegt, erscheint nur wie ein Augenblick. Jüngeren Menschen fehlt oft eine ruhige Minute, weil sie zwischen beruflichen Terminen und den vielen Freizeitangeboten kaum noch Zeit zum Nachdenken finden. Dabei haben wir die Zusage, daß Gott unsere Zeit in seinen Händen hält. Das gilt für die Lebenszeit, wie für den kurzen Augenblick zwischendurch. Nie sind wir allein, Gott begleitet uns und reicht uns seine Hand. "Meine Zeit steht in deinen Händen.", dieses Psalmwort ist für viele ein Trost. Doch Gottes Zuwendung gilt nicht nur dem Einzelnen, sondern auch den Christen in ihrer Gesamtheit über die Jahre hinweg.

Unsere Zeitrechnung bezieht auf diese besondere Gemeinschaft mit Gott durch seinen Sohn Jesus Christus. Wir leben nach Christi Geburt und dies nun fast seit 2000 Jahren. In knapp anderthalb Jahren stehen wir vor dieser Zeitenwende. Für viele mag sie Anlaß zu lauten Feiern sein, für uns könnte es ein kostbarer Augenblick der Besinnung sein. Ja, unsere Zeit liegt in Gottes Händen. Wenn doch jeder dies spüren könnte, der das Jahr 2000 feiert! Das oben abgebildete Symbol des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik will etwas dazu beitragen.
Oft hängen wir an eine Jahreszahl schnell die Worte "nach Christus" an. Dabei leben wir nicht nach Christus sondern "nach Christi Geburt", das heißt er lebt, er lebt mit uns. So wandelt das Zeichen die oft mißverstandene Abkürzung "n. Chr." ab in die Worte "mit Christus". Ja, wir leben mit Christus. "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!", dieser Jubelruf gilt nicht nur Ostern, sondern an jedem Tag in unserem Leben.
Fast 2000 Jahre lang lebt die Christenheit mit Ihrem Herrn. Jeder Augenblick, auch wenn er noch so flüchtig erscheint, ist geschenkte Zeit Gottes. Nehmen wir uns die Zeit, das zu erkennen. Und tragen wir unser Teil dazu bei, daß man auch im nächsten Jahrtausend noch weiß, worauf sich die Zählung der Jahre bezieht.
Ihr Pfarrer Michael Nitzke