"Unter dem größten Weihnachtsbaum der Welt geht Dortmund auf das Fest der Liebe zu. Es ist nicht zu überhören, wie dieser Baum die Menschen beschäftigt.
Ob er nun hundert- oder zweihunderttausend Mark gekostet hat, weiß keiner so genau.
Aber was spielt das für eine Rolle, denn der Oberbürgermeister hat die Marschroute vorgegeben: Eine Werbekampagne für die Stadt hätte wahrscheinlich mehr gekostet. Wenn es was für die Erhaltung der Arbeitsplätze im Handel bringt, lasse ich mir das ja noch gefallen.

Nicht das Größte sondern das Kleinste stand damals Mittelpunkt. Gott begibt sich auf die Erde, nicht als prachtvoller Herrscher, sondern als hilfloses Kind in einem dreckigen Stall.
Und da müssen wir den größten Weihnachtsbaum der Welt haben? Paßt das denn überhaupt zum Weihnachtsfest?
Aber meine komisches Gefühl im Bauch wandelt sich. Dieser Riesenbaum setzt sich nämlich aus vielen kleinen Bäumen zusammen, so daß es aussieht, wie ein großer.
Und das ist dann doch wieder ein Bild, das zur biblischen Botschaft paßt. Denn aus vielen Kleinen erwächst etwas Großes. Viele Christen, die jeder für sich nur ein kleines Licht sind, können gemeinsam eine riesige Leuchtkraft erhalten.
Das ist ein Zeichen dafür, daß Gott durch kleine Dinge Großes an den Menschen tut.
So kann mich der größte Weihnachtsbaum der Welt doch noch in adventliche Stimmung bringen, wenn er nur nicht so viel gekostet hätte, aber das ist eine andere Geschichte."
Michael Nitzke, Evangelische Gemeinde Kirchhörde
für "Augenblick mal"

vor zwei Jahren habe ich diesen Text geschrieben, heute ist er wieder aktuell. Die kleine Andacht entstand für den Dortmunder Privatfunk "Radio 91.2". Auch hier haben die Kirchen die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Als vor einigen Jahren der Sender an den Start ging, wurden die Dortmunder Kirchen eingeladen, sich zu beteiligen. Ausgangspunkt waren die kleinen Andachten auf den ersten Seiten der Gemeindebriefe. "So etwas eignet sich auch fürs Radio," hieß es damals, "denn in der Kürze liegt die Würze." Daher möchte ich nun einmal den umgekehrten Weg gehen, und die Radioandacht in den Gemeindegruß bringen. Neben Andachten, die landesweit in Verantwortung der Kirchen erstellt werden, sind alle zwei Wochen an einzelnen Tagen auch Beiträge aus der ev. Kirche in Dortmund zu hören. Hören Sie doch mal herein: Morgens "zwischen Aufstehen und Zähneputzen" (zwischen sechs und halb sieben). Ihr Pfr. Michael Nitzke