Als Kaiser Wilhelm II. gefragt wurde, wie er es mit der Frauenbewegung hielte, antwortete er: "Ich fühle mich am wohlsten bei der Lösung, die meine Frau in der Frauenfrage getroffen hat. Die hält es nämlich mit den drei K: Küche, Kinder, Kirche." Und nur in ihrem Engagement für die evangelische Kirche ist die Kaiserin Auguste Viktoria aus dem Schatten ihres Mannes herausgetreten.
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Auguste Viktoria ist 1858 in der Niederlausitz geboren. Eigentlich im Exil, denn ihr Vater entstammte dem Herzogshaus von Schleswig Holstein und war 1850 des Landes verwiesen worden. Zuflucht fand er in Preußen. Dem preußischen Königshaus war er schon lange freundschaftlich und verwandtschaftlich verbunden. So waren die Großmutter und die Mutter ihres künftigen Ehemannes (der damals noch nicht geboren war), nämlich Augusta und Viktoria, auch ihre Taufpatinnen. Aufgewachsen ist die spätere Kaiserin in ländlicher Einsamkeit in Schlesien. Ihr Vater widmete seine ganze Energie der Erziehung seiner ältesten Töchter und erzog sie ohne Hofzeremoniell. Besonderen Wert legte er darauf, seine Töchter von klein auf in persönlich ausgeübte Mildtätigkeit einzuüben. |
1879 änderte sich ihr Leben grundlegend. Prinz Wilhelm kam
zur Auerhahnjagd nach Görlitz und besuchte bei dieser Gelegenheit
die Holsteins, verlor sein Herz an deren älteste Tochter
und machte Auguste Viktoria im April 1879 einen Heiratsantrag.
Bis zur Heirat war es dann noch ein langer Weg und gegen viele
Widerstände mußte sich das Paar durchsetzen, bevor
am 27. 2. 1881 die Hochzeit stattfinden konnte. Sehr zur Freude
aller gab es 15 Monate später schon einen kleinen Prinzen
zu feiern und nach weiteren 5 Söhnen und einer Tochter hatte
sie ihre Verpflichtungen zum Fortbestand der Dynastie erfüllt.
1888 übernahm Auguste Viktoria in dem neu gegründeten Evangelisch-Kirchlichen-Hilfsverein ihre erste Schutzherrschaft. Dieser Verein sollte Mittel bereitstellen, damit die Not in den sprunghaft gewachsenen Städten bekämpft werden konnte durch eine Intensivierung der Seelsorge. Der Blick auf die Zahlen einer Berliner Gemeinde zeigt dies. 1868 hatte die St. Thomas Gemeinde 45.788 Mitglieder. Ihre 3 Pfarrer müssen 2.133 Taufen, 549 Trauungen, 750 Konfirmationen und eine unbekannte Zahl von Beerdigungen bewältigen. Der Evangelisch-Kirchliche-Hilfsverein stellte nun finanzielle Mittel bereit, damit Hilfsprediger, Gemeindeschwestern und auch neue Pfarrer eingestellt werden konnten. Zudem wurde noch der Kirchenbau-Verein gegründet, mit dessen finanzieller Hilfe fast alle zwischen 1890 - 1914 gebauten Kirchen und Gemeindehäuser gebaut wurden. Aus der kaiserlichen Privatschatulle und einen Fond des preußischen Innenministeriums flossen reichliche Geldmittel für diese Zwecke.
Diese beiden Vereine sorgten für die Verbesserung der äußeren Bedingungen der Seelsorge. Zur diakonischen Unterstützung dieser Arbeit wurde noch ein neuer Verein ins Leben gerufen, aus dem die heutige Frauenhilfe hervorging. 1897 rief die Kaiserin auf :"... daß es zur Weckung und Förderung des Gemeindelebens vorzugsweise der Arbeit der Diakonissen bedarf ... .Hier öffnet sich aber vor allem ein schönes und weites Betätigungsfeld für unsere Frauen und Jungfrauen, deren Herz und Hand geschickter ist, als die der durch Berufspflichten in Anspruch genommenen Männer. An die evangelischen Frauen und Jungfrauen richtet sich daher Meine herzliche Bitte, einzutreten und zu helfen, daß wir unserem Volk die Segnungen des Evangeliums in stets reicherem Maße zuwenden und erhalten." 1899 erfolgte die Gründung der Frauenhilfe. Rasant vollzog sich ihr Aufstieg. Bis 1912 entstanden 2.286 Vereine. Um 1917 hatte die Frauenhilfe schon über eine halbe Millionen Mitglieder, die sich in 3.380 Vereinen organisiert hatten.
Auguste Viktoria starb am 11. April 1921 im niederländischen Exil. Ihr Werk, die evangelische Frauenhilfe, feiert 1999 ihr hundertstes Jubiläum. Seit der Gründung hat sich vieles gewandelt in ihr. Aber eins bleibt bis heute die feste Grundlage ihres Wirkens: die Verwurzelung in Wort und Sakrament. Nur dadurch vermag sie offen zu sein für die Wandlungen der Welt, für neue Herausforderungen und immer wieder neu Zeugnis ablegen für die Hoffnung, die durch das Evangelium in unsere Welt gekommen ist.