Gemeindegruß Kirchhörde - Ausgabe 2002 - 3  - Inhalt  
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Liebe Gemeinde,

im Gemeindehaus Gottessegen in der Spissenagelstraße findet sich ein Altarrelief, das von dem bedeutenden zeitgenössischen Künstler Max Schegulla gestaltet worden ist. Die dargestellten biblischen Szenen erschließen sich dem betrachtenden Auge allerdings nicht immer sofort, so dass wir Ihnen einmal nähere Informationen dazu geben möchten.

Das Altarrelief besteht aus vier Tafeln, die von oben links über die beiden unteren nach oben rechts einen wohl durchdachten Zyklus ergeben. Lassen Sie uns einmal die erste dieser Tafeln etwas näher bedenken. Schegulla hat sie überschrieben mit dem Titel „Segen des Engels, Segen aus der Höhe."

In der oberen Hälfte sieht man einen Engel, der zu entschweben scheint. Seine Flügel aber, die an den beiden äußeren Seiten der Tafel von oben her wie eine Art Rahmen herunterreichen, werden von dem Mann festgehalten, der unterhalb des Engels dargestellt ist – eine kräftige Gestalt, die sich an die Flügel regelrecht zu klammern scheint. Es ist Jakob, der der biblischen Überlieferung nach (1. Mose 32,23-33) in einen nächtlichen Kampf mit dem Engel Gottes verstrickt gewesen ist und jetzt beim Anbruch der Morgenröte den davon eilen wollenden Engel mit aller Kraft aufzuhalten sucht. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn."

Auf eindrückliche Weise schildert diese Erzählung das Ringen eines Menschen mit Gott, um den Segen Gottes. Es ist dies ein Ringen, das gewiss mehr als nur eine schlaflose Nacht kosten könnte und das vielleicht auch dem einen oder der anderen von Ihnen bekannt ist – selbst wenn Sie zur Beschreibung wahrscheinlich andere Worte wählen würden. Es geht hier um einen Segen, der keineswegs als ein selbstverständlicher Zuspruch in Anspruch genommen werden kann, sondern um den Jakob tatsächlich kämpfen muss. Er hatte doch einiges in seinem bisherigen Leben angestellt, dass nicht dazu angetan war, von Gott gesegnet zu werden.

Letztlich gibt der Engel dem hartnäckigen Bitten des Jakob nach. Vielleicht hat er gespürt, dass es Jakob ganz ernst gewesen ist. Der Engel segnet ihn und gibt ihm dabei einen neuen Namen: Jakob soll von nun an Israel heißen. Damit wird angezeigt, dass er in gewisser Hinsicht noch einmal von vorne anfangen darf. So werden ihm die tief zur Erde herabgelassenen Flügel des Engels „wie Wegbereiter zur Welt Gottes" (Max Schegulla). Gottes Segen als Eröffnung einer neuen Existenz - das ist die zentrale Botschaft der ersten Tafel des Altarreliefs im Gemeindehaus „Gottes-Segen".

Pfarrer Karsten Schneider

P.S.: Pfr. i.R. Udo Fischer stellte ein Manuskript von Max Schegulla über das Altarrelief zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

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