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Gemeindegruß Kirchhörde - Ausgabe 2002 -
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- Inhalt |
Liebe Gemeinde,
wir feiern Advent, die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus in unserer Welt und in unseren Herzen. Wir singen „Tochter Zion" und „Macht hoch die Tür". Wir singen es gerne und voller Inbrunst. Gefühle tauchen in uns auf. Gefühle vergangener Adventsfeiern, fast vergessener Weihnachtsfeste:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Friede auf Erden, wir hören den Chor der Engel zum Weihnachtsfest gern, wir sind vom Wunsch bewegt, dass er auch im Alltag Wirklichkeit werde. Im Advent wird das besonders deutlich. Im folgenden Bibeltext ist der Wochenspruch für den ersten Advent hervorgehoben:
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9,9f)
Wenn wir die Worte zum Advent im Zusammenhang lesen, werden nicht nur Kindheitserinnerungen an den Esel wach, auf dem Jesus damals nach Jerusalem geritten ist, sondern es drängen sich auch fast vergessene Träume auf: Frieden in der Welt und Ruhe in Jerusalem. In den letzten Monaten sind wir durch viele Diskussionen aufgerüttelt worden. Doch der Versuch, mit den Gefühlen der heutigen Menschen in Jerusalem bei uns Wahlkampf zu machen, ist gescheitert. So können wir uns nun die Zeit nehmen, eine jüdische Stimme zu hören, die uns zweifach betrifft: in unserem Umgang mit den biblischen Verheißungen und dem Versuch, diese in die heutige Weltsicht einzuordnen. Rabbi Levinson schrieb kurze Zeit bevor die Diskussion in unserem Land eskalierte:
„… Viele meinen, es gäbe da im Heiligen Land einen Unruheherd, der der Welt den Terror und die Gewalt beschert. Wenn nur die Israelis etwas nachgiebiger wären, dann wäre gewiss alles in Ordnung, es würde keine Gewalt mehr geben, keine Wirtschaftsprobleme und keine Ölkrisen. So einfach ist das. Nur dass wir leider wissen, dass der Terror nicht mehr nur gegen Israel gerichtet ist, sondern die ganze Welt bedroht.… Viele reden über ein himmlisches Jerusalem, und meinen, dies enthebe sie der Pflicht, sich um das konkrete Jerusalem zu kümmern. Über das himmlische Jerusalem lässt sich in der Tat schön unverbindlich predigen. … So wie die Gottesliebe nicht ohne die Liebe zum Menschen, ohne diese konkrete Liebe möglich ist, so ist das himmlische Jerusalem nicht möglich ohne dieses konkrete, irdische, ganz und gar diesseitige Jerusalem. Bevor wir uns den Luxus leisten können, über ein himmlisches Jerusalem zu sprechen, das kaum unsere Aufgabe, sondern die Aufgabe Gottes ist, müssen wir uns um das irdische kümmern. In einer Zeit, wo man uns wieder einmal ans Leben will, aber nicht nur uns Israel meint, sondern unser Erbe, die heilige Lehre, beten wir in den Worten des Gebetbuchs: ‚Und breite über uns die Hütte Deines Friedens. Gepriesen seiest Du, Ewiger, der die Friedenshütte ausbreitet über uns; ganz Israel, und über Jerusalem’ 3. Buch Moses 6,1 - 8,36" (Rabbiner Nathan Peter Levinson, 13. März 2002 www.juedische-allgemeine.de/archiv/religion/religion-02196.html )
Es liegt mir fern, den Gemeindegruß als politisches Forum zu benutzen.
Aber beim Zitieren der biblischen Schriften werden immer wieder Assoziationen zur heutigen Zeit hervorgerufen. Da wird dann einfach der Wunsch nach einem wahren Frieden in der Welt wach.
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden". Der Glaube an Gott ist nicht von dem Schicksal der Menschen auf der Erde abgehoben. Himmel und Erde sind auf einander bezogen. Wir können zum Frieden auf Erden beitragen, indem wir für den Frieden beten und arbeiten. Wir dürfen gewiss sein, dass Gott auf uns zukommt und uns dabei unterstützt: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Dieses Wort zum ersten Advent gibt uns Trost und Zuversicht. Gott kommt und hilft! Lassen wir uns also helfen und helfen wir mit, damit eines Tages alle die Hütte des Friedens Gottes verspüren können.
Einen gesegneten Advent wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Michael Nitzke
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