|
Evangelische
Kirchengemeinde Konfirmation Sonntag Jubilate, 21. April 2002 |
![]() |
![]() |

|
Marilena Adorf Carina Jörs Anna Kadow Dorin Krause |
Saskia Limberg Anna Meinberg Annika Nitzke Carsten Peters |
Julia Strothe Lotta Sydow Justus Tilse Denise Wolf |
Konfirmationspredigt
21
Die Athener und die Fremden in Athen kennen keinen besseren Zeitvertreib, als stets das Allerneueste in Erfahrung zu bringen und es weiterzuerzählen. 22 Und Paulus trat in die Mitte des Areopags, also auf den Areshügel in Athen, wo früher immer der Oberste Gerichtshof getagt hatte, und sagte: »Ihr Männer von Athen! Ich sehe, dass es euch mit der Religion sehr ernst ist. 23 Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich auch einen Altar entdeckt – und auf dem stand geschrieben:
Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das mache ich euch nun bekannt. 24 Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben. 25 Er ist auch nicht darauf angewiesen, von den Menschen versorgt zu werden; denn er selbst gibt ihnen das Leben und alles, was sie zum Leben brauchen. 26 Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnt. Für jedes Volk hat er im Voraus bestimmt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. 27 Und er hat gewollt, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn vielleicht fühlen und finden könnten. Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe. 28 Durch ihn leben wir doch, durch ihn regen wir uns, durch ihn sind wir!" (Apostelgeschichte 17,21-28)
Pfr. Nitzke: Manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache. Ich laufe durch die Weltgeschichte und versuche, wildfremde Leute von einem Mann zu begeistern, den nur die wenigsten verstanden haben, als er noch lebte. Was heißt, als er noch lebte? Er lebt ja noch, er lebt wieder. Ich habe ihn gesehen, oder besser: Ich habe ihn erlebt, denn sehen konnte ich ja nicht mehr, als er mir gegen überstand vor Damaskus. Drei Tage hat er mich aus der Bahn geworfen. Mein Leben hat sich verändert seit dem, und zwar von Grund auf.
Nun war ich nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. So ein Wechsel der Seiten ist nicht so leicht wie manche das jetzt erzählen, wo es einige Jahre her ist. Aber dieser Mann hat mich begeistert. Sein Geist ist in mir. Gottes Geist ist es, der mich treibt. Gott, der seinen Sohn in die Welt gegeben hat, der ihn geopfert hat auf dem Altar der Menschenliebe. Ja, er hätte auch anders gekonnt, aber er hat es nicht getan. Er hat ihn durch all die Schmerzen gehen lassen, und hat ihn dann wieder zum Leben erweckt.
Erst hielt ich das auch für verrückt. Deswegen habe ich sie ja gejagt, alle, die das erzählten. Aber dieses Erlebnis vor Damaskus, das hat mich verändert. Als ob er selbst vor mir gestanden hätte, ja er hat vor mir gestanden. Darum muss ich es auch allen erzählen. Ich musste raus in die Welt. Das konnte doch kein Provinzereignis bleiben, da müssen alle was von haben.
Aber trotzdem, manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache. Am Anfang war es ja noch leicht. In einer fremden Stadt immer zuerst die Synagoge suchen. Das ist die Grundregel, die Menschen dort haben wenigstens eine Vorstellung davon, von welchem Gott ich rede. Ja, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, das ist auch der Vater des Messias, des Christus, auf den sie alle gewartet haben. Und auch wenn es keine Synagoge gab, dann sind wir eben dorthin gegangen, wo Juden am Sabbat ungestört beten können.
Es müssen ja auch nicht immer Juden sein. Menschen, die was anderes geglaubt haben oder gar nichts, sind genauso bereit, ihre Seele Gott anzuvertrauen. Aber diese Athener,... Manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache. In einer Weltstadt wie Athen soll ich von Gottes Sohn erzählen! Die Stadt der Philosophen und Gelehrten, die lachen mich doch aus. Mir fällt nichts ein für diese Leute. Manchmal frage ich mich...
Doch halt, was sehe ich hier? Ist das die Möglichkeit? Da haben die doch tatsächlich hier einen Altar - und schreiben drauf: Für den unbekannten Gott? Da ließ sich doch was draus machen. Das müsste man Ihnen erzählen. Und zwar mitten auf Ihrem Areopag, auf den sie so stolz sind. „Dem Unbekannten Gott"; sie tun so gelehrt, wollen immer was Neues wissen, aber sie halten sich auch ein Hintertürchen offen. Die werde ich mit Gott bekannt machen. Denen werde ich was erzählen...
Pfr. Schneider: `Ach, was redet der denn! Was soll das bloß? Diese Wichtigtuerei um den unbekannten Gott! Na klar, wir haben diesen Altar. Das lässt sich nicht leugnen! Aber das ist ja nichts Neues! Und was Besonderes ist es auch nicht! Damit ist doch nur gesagt, was eh alle wissen:
Gott, wenn damit überhaupt etwas Sinnvolles gemeint ist, dann ist es ein Wesen weit weg von uns. Der die Welt vielleicht einmal ins Rollen gebracht hat. Aber schon vor Urzeiten! Und dem wir Menschen, wir hier, doch ziemlich gleichgültig sein können. Gott – der ist und bleibt weit weg, für uns unzugänglich und genau genommen völlig unbekannt. Wir können nicht wissen, was er wirklich will und was er denkt. Gott - der ruht in sich selbst in unendlicher Harmonie, ewig gleich. So wie es uns unsere großen Philosophen schon seit Jahrhunderten gelehrt haben. Im Grunde ist seit Aristoteles dazu doch alles gesagt!
Das mit dem unbekannten Gott, das ist schon ganz richtig! Alles andere ist doch nur dummes Geschwätz! Der Paulus, der soll ruhig seine Klappe halten. Der kann sich seine komischen Gedanken sparen. Ist doch nichts anderes als inhaltsloses Geblubber.´
Pfr. Nitzke Dass meine Rede damals so schief gegangen ist, hätte ich gar nicht gedacht. Diese Athener... Ich hatte den Eindruck, wenigstens ein paar hätten sich meine Worte zu Herzen genommen.
Pfr. Schneider: Ja, das mit dem unbekannten Gott, das ist gar nicht so dumm. Wir wissen tatsächlich nicht viel von Gott. Also, ich meine von dem wirklichen Gott! Von dem, der diese Welt ins Rollen gebracht hat. Und der sie ja auch irgendwie erhalten muss!
Denn die Götter, die wir in unseren Tempeln verehren und von denen wir uns erzählen, die können doch nicht wirklich so mächtig sein. Das weiß doch eigentlich jedes Kind.
Zeus und Poseidon und Hades, die herrschen eigentlich alle nur über bestimmte Bereiche dieser Welt: Zeus über Himmel und Erde, Poseidon über das Meer und Hades über die Unterwelt. Und dann noch all die anderen Götter, die wir haben - die haben alle ihre Spezialaufgaben: Dionysos zum Beispiel, der kümmert sich um den Wein und die Fruchtbarkeit, oder die Artemis, unsere Jagdgöttin, oder Apollon oder Aphrodite und und und ...
So wirklich göttlich sind die eigentlich nicht! Und wenn man sich dann noch anhört, was die so alles treiben - dann kann man sowieso vom Glauben abfallen: Die sind ja nicht besser als wir Menschen!
Es wäre also schon eine tolle Sache, wenn wir tatsächlich etwas mehr über den unbekannten Gott, über den wirklichen Schöpfer dieser Welt, wüssten. Und, hm, dieser Paulus behauptet ja im weiteren Verlauf seiner Rede, dass wir durch einen bestimmten Menschen mehr über diesen Gott erfahren hätten. Durch einen Mann namens Jesus, der auch einmal über die ganze Menschheit ein völlig gerechtes Weltgericht halten würde.
Merkwürdig, aber auch irgendwie interessant. Wenn da tatsächlich was dran ist, dann ist das ja eine echt spannende Sache. Dann würde ich gerne mehr darüber wissen wollen.
Pfr. Nitzke: Manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache... Der alte Paulus hatte es schon gut damals. Erst mal hat er Jesus selber gesehen, oder zumindest fast. Er hat jedenfalls erlebt, zu was er fähig ist, als er nichts mehr sehen konnte. Und dann ist er losgezogen und hat gepredigt. Ja, er saß auch mal im Gefängnis, aber selbst die Aufseher konnte er vom Glauben überzeugen, und dann ist er wieder durch die Weltgeschichte gezogen. Und alle haben im geglaubt, sogar die neugierigen Athener hat er um den Finger gewickelt, mit seiner Rede vom unbekannten Gott. Guter Trick war das damals, aber damit kann man heute nicht mehr kommen.
Manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache. Wie soll man an die zwanzig Teenies davon überzeugen, dass es Gott gibt, dass er für sie da ist, dass er sie liebt. Wenn ich dass sage, fangen sie sowieso an zu kichern. Liebe! Die denken, das ist irgendwas, das sich zwischen GZSZ und den Charts bei VIVA bewegt.
Und wenn man mit Ihnen über Liebe sprechen will, dann verweigern sie die Aussage. Paulus hatte es da irgendwie einfacher, damals waren die Leute doch aufnahmebereit, wollten was hören von Gott.
Manchmal frage ich mich,... Doch halt, da fällt mir was ein. Da haben doch manche Mädchen so ein Kreuz um den Hals baumeln. Ich weiß gar nicht, ob die sich Gedanken darüber machen. Ist halt modern, muss man haben!
Oder manche Jungen, ... Im Stadion grölen sie: „Jürgen Kohler - Fußball-Gott!". Dabei ist der Mann sogar noch ein paar Jahre jünger als ich. Wie kann man einen Menschen als Gott verehren? Ich glaube, dass ist ihm auch selber gar nicht recht.
In der Freizeit umgeben sie sich mit religiösen Symbolen oder suchen nach neuen Göttern, aber wenn wir mal über unseren Gott sprechen wollen, dann ist Schweigen im Walde.
Ich danke dir dafür, dass du
mich beschützt
Danke dir für all den Segen, den du mir gibst
Ohne dich wär mein Leben nicht so, wie es ist
Du gibst mir die Kraft zu sein, wie du es bist
Oh ich brauch dich
Selbst Engel weinen - Engel
leiden
Engel fühl'n sich mal alleine
Sie verzweifeln wie jeder andere
Fallen tief und haben Feinde
Es gibt ihn noch, den
unbekannten Gott! Platz 2 der mtv-hitlist-germany. Sie singen von Segen,
von Engeln, von Leiden und Überwinden von Schmerz. Das
sind unsere Themen!
Manchmal frage ich mich,...
Manchmal frage ich mich, warum bin ich nicht eher darauf gekommen?
21Die Konfirmanden und ihre
Freunde kennen keinen besseren Zeitvertreib, als stets
das Allerneueste in Erfahrung zu bringen und es weiterzuerzählen.
Das Allerneueste, von Engeln, von Segen, von Liebe von
Kraft, vom unbekannten Gott. Manchmal frage ich mich, warum habe ich das so
spät gemerkt?
Pfr. Schneider: Ich weiß ja
nicht ... Ob die Jugendlichen durch so eine Musik zum Glauben an Gott kommen. So
genau werden die sich die Texte doch vielleicht gar nicht durch den Kopf gehen
lassen. Wichtig ist doch nur der Sound – und das Aussehen, das Outfit der
Sänger und Sängerinnen. Und ob sie cool sind.
Der Inhalt ist doch eigentlich Nebensache - oder etwa nicht? Gibt es
tatsächlich auch heute noch die, die sich nachdenklich machen lassen?
Nachdenklich machen lassen durch die Frage nach Gott? Durch die Frage nach
seinem Segen? Und nach seinen Engeln?^
Von denjenigen, die damals in Athen nachdenklich geworden sind
und immer wieder nachgefragt haben, von ihnen haben sich einige - so wird
berichtet - dem Paulus angeschlossen. Sie haben sich taufen lassen, und damit
haben sie gezeigt:
Ja, ich glaube, dass der große Unbekannte, dass der unbekannte Gott uns durch
Jesus Christus nahe gekommen ist. Dass er uns dadurch ein guter Bekannter
geworden ist!
Und
mehr noch: Dass er uns nicht nur ein guter Bekannter, sondern sogar ein guter
Freund geworden ist. Durch Christus hat er uns nämlich gezeigt: Er kümmert
sich um uns, ja, er hat uns sogar lieb wie seine eigenen Kinder. – Das also
haben einige von den Menschen damals in Athen begriffen und öffentlich als
ihren Glauben bezeugt.
Und auch Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, bezeugt heute - für die ganze Gemeinde sichtbar - , dass auch für Euch Gott ein Stück weit vertraut geworden ist. Dass er für Euch nicht der große Unbekannte ist, bei dem man nicht weiß, woran man mit ihm ist. Sondern dass er für Euch vielmehr ein guter Bekannter, ja, vielleicht auch ein guter Freund geworden ist - jemand, von dem man einiges erfahren hat; jemand, von dem man weiß, dass man ihm vertrauen darf, weil er Gutes mit einem vorhat; jemand, an den man sich durch das Gebet auch direkt wenden kann.
Ihr bezeugt heute Euer Vertrauen auf diesen unseren Gott. Euer Vertrauen darauf, dass Gott jemand ist, der Euch – jeden und jede von Euch – ganz bewusst geschaffen hat, der Euch durch Eure Eltern Euren Lebensatem geschenkt hat, der Euch bis hierher begleitet hat und der Euch auch weiterhin begleiten will - Euer ganzes noch vor Euch liegendes Leben hindurch, bei allem, was Ihr noch erleben werdet. - Möge dieses Vertrauen Euch jederzeit stärken und Euch Mut und Kraft für Euer Leben geben. Amen.
Pfarrer Karsten Schneider - Pfarrer Michael Nitzke