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Evangelische
Kirchengemeinde Konfirmation Sonntag Kantate, 28. April 2002 |
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Christina Baumeister Matthias Baumeister Katharina Brandt Alexander Dittrich |
Marcel Eilhoff Oliver Jung Fabian Krull Julian Marschewski |
Yannick Maschmann Stephanie Müller Nadine Romberg Andreas Rothstein |
Konfirmationspredigt
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,
als ich noch ein kleiner Junge war – noch viel jünger als ihr, die ihr heute hier konfirmiert werdet - , da fuhren meine Eltern mit mir und meinem Bruder manchmal am Wochenende zu einer alten Burgruine. Diese Burgruine liegt etwas außerhalb der Stadt, in der wir wohnten, hoch oben auf einem Berg. Sie stammt aus einer Zeit, in der unsere Vorfahren, die alten Germanen, das Christentum noch gar nicht kannten, und war ursprünglich einmal eine heidnische Kultstätte. Wer weiß, was da alles stattgefunden hat! Diese Burg ist dann aber von den Soldaten Karls des Großen völlig zerstört worden.
Ziemlich in der Mitte der Ruine waren für mich immer noch deutlich die Reste eines Brunnens auszumachen; die Ummauerung war sogar noch recht intakt. Und immer, wenn ich damals mit meinen Eltern dort ankam, lief ich als erstes zu diesem Brunnen und schaute hinunter. Und jedesmal war meine Enttäuschung groß, denn in diesem Brunnen - ja, da gab es gar kein Wasser mehr.
Was ist bloß mit diesem Brunnen passiert?, dachte ich. Das ist doch gar kein richtiger Brunnen! - Und es fehlte ja nicht nur das Wasser, man konnte auch gar nicht mehr tief hinunter schauen. Nach vielleicht ein, zwei Metern war nämlich bereits Schluss mit diesem Brunnen, und auf seinem Grund sah ich Gräser und Unkraut wachsen.
Mochte dieser Brunnen auch vor Jahrhunderten einmal seine Funktion erfüllt haben - jetzt war es doch kein richtiger Brunnen mehr! Versiegt, zugewachsen, kraftlos, ohne Wasser und damit ohne Leben; so fand ich ihn immer wieder vor inmitten der Burgruine. Enttäuschend! -
Ganz anders nun ist es bei den Brunnen, von denen in der alttestamentlichen Lesung für den heutigen Sonntag die Rede ist. Von denen sagt nämlich der Prophet Jesaja: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen."
Von Freude ist hier die Rede, und nicht von Enttäuschung. Vom Wasser, und nicht von Unkräutern. Von Heilsbrunnen, und nicht von versiegenden Quellen. „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen." Dies ist der zentrale Satz des 12. Kapitels des Jesaja-Buches. Er steht genau in der Mitte dieses sehr kurzen Kapitels und ist eingebettet in einen Lobgesang über Gott - über unseren Gott, der uns Trost und Heil bringen wird. Aber hören Sie, hört Ihr selbst, wie unser Predigttext lautet! Es heißt dort im Jesaja-Buch:
1
Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, der du bist zornig gewesen über mich, dass dein Zorn sich gewendet hat und du mich nun tröstest. 2 Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. 3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. 4 Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist. 5 Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! 6 Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir! (Jesaja 12,1-6)Jesaja ruft diese Verse einem Volk zu, das lange in der Wüste gelebt hat. Das darum wusste, wie es ist, wenn lange Trockenheiten zu überstehen waren. Das wusste, wie es ist, wenn man ganz ausgedörrt ist und man vom Durst hin und her getrieben wird.
Und eventuell haben ja auch einige von Ihnen, liebe Festgemeinde, diese schlimme Erfahrung machen müssen – vielleicht einige von den Älteren unter Ihnen, die Sie heute als Großeltern hier sind und nachher am festlich gedeckten Tisch sitzen werden – die Sie ihren Enkelkindern aber auch von Hunger und Durst im Krieg oder auch in den harten Jahren danach erzählen könnten. Jahre, die Sie erlebten, als Sie ungefähr so alt waren wie ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden heute. -
Jesaja damals ruft diese Verse aber auch einem Volk zu, das wusste, wie man sich fühlt, wenn endlich der rettende Brunnen mit dem frischen Wasser sichtbar wird. Und wie berauschend es ist, wenn man dann das Wasser auf der Zunge und auch im Gesicht spüren darf. Wie man dann förmlich zu neuem Leben erweckt wird. –
Auch ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden kennt das sicher: Wenn ihr zum Beispiel nach einer schweißtreibenden sportlichen Aktivität die ersten Schlucke Sprudel trinkt oder unter der Dusche steht. Einfach herrlich!
So wird das Heil sein, das Gott für uns bereit hält, ruft Jesaja. Es wird sein wie Wasser, das uns einen völlig neuen Lebensgeist einhauchen wird. Und dieses Wasser werden wir mit großer Freude schöpfen. Es wird aus Heilsbrunnen quellen, die niemals versiegen werden. Die niemals versiegen können, weil Gott selbst ihre Quelle ist. Und deswegen werden es Wasser des Ewigen Lebens sein – wie Jesus einmal bei einer Begegnung mit einer Frau an einem Brunnen sagt. Wasser des Ewigen Lebens, ewiger Freude und ewigen Heils.
Diese Heilsbrunnen - die sind so ganz anders als der Brunnen aus meiner Jugend, der eigentlich gar kein richtiger Brunnen war. Die sind aber auch so ganz anders als all die Brunnen, die Sie, liebe Festgemeinde, im Laufe Ihres Lebens kennen gelernt haben. Weil nämlich all diese Brunnen nur für kurze Zeit Durst löschen können und einmal alle versiegen müssen.
Diese Heilsbrunnen – die sind wirklich etwas ganz Besonderes. Wie sie uns stärken, wie Gott uns durch sie stärken will, das wollen wir heute hier in der Kirche einmal nachempfinden.
Sicher
werden Sie schon gesehen haben, dass sich unser Taufbecken verändert hat. Dass
es sich – unter der fleißigen Mithilfe unseres Küsters und unseres
Zivildienstleistenden - in einen Brunnen verwandelt hat. Und zwar in einen ganz
besonderen Brunnen. In einen Brunnen, der uns eine Vorahnung geben will auf die
Heilsbrunnen Gottes. Auf das Heil, das er für uns bereit hält. Auf das Heil,
das unsere so gar nicht heile Welt so bitter nötig hat. - Lassen Sie uns mal
sehen, was wir aus ihm herausfischen können. [Gehe
zu dem Brunnen und nehme nach und nach die auf farbige Karteikarten
geschriebenen Konfirmationssprüche heraus. Alle Sprüche werden vorgelesen und
an die Pinnwand geheftet.]
Aha, Sie werden es sicher schon erraten: Hier handelt es sich um die Konfirmationssprüche, die Euch gleich zugesprochen werden. Sie stammen alle von Gott her. Sie kommen zu uns wie aus einem Heilsbrunnen, wie aus einem Brunnen, der unseren Seelen etwas wirklich Gutes tun will.
[Zwischendurch findet sich aber
auch ein bunter Fisch:]
Ah, es gibt also nicht nur Konfirmationssprüche. Ein Fisch ist auch dabei. Ein komischer Fisch, der in einem Brunnen lebt. Aber – ich denke, dass wird kein Zufall sein. Der Fisch – das ist ja schon ganz früh das Erkennungszeichen der Christen gewesen. Das griechische Wort für Fisch, ichthys, das besteht nämlich aus fünf Buchstaben. Und jeder dieser Buchstaben kann als Anfang eines anderen Wortes aufgefasst werden – und nach der Lesart der frühen Christen heißt es dann so: Iota für Jesus, Chi für Christus, Theta für Theos, Ypsilon für Yiou und das Sigma für soter – übersetzt: Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter. – Also bestimmt kein Zufall, dass auch der Fisch hier an die Oberfläche kommt.
[Zwischendurch findet sich auch eine Schnecke.]
Oh,
schon wieder ein Tier. Eine Schnecke, die wohl am Innenrand des Brunnens
herumgekrochen ist. Eine Schnecke ist ja nun ganz etwas Merkwürdiges in unserem
Zusammenhang. Der Fisch ist ja als christliches Symbol noch recht bekannt –
man sieht ihn ja auch häufig als Aufkleber auf Autos; aber die Schnecke? Dass
sie etwas mit christlicher Symbolik, mit christlicher Bildersprache zu tun hat,
das weiß kaum jemand.
Die Schnecke steht bei uns ja eher für Langsamkeit. Aber im Mittelalter, als die Menschen noch ein direkteres Verhältnis zur Natur hatten als wir heute, da wussten alle: Im Spätherbst, da verschließt die Schnecke ihr Schneckenhaus von innen mit einer Art Deckel. Und erst wenn die Frühjahrssonne genügend Wärme bringt, dann drückt sie ihre aus Kalk geformte Tür wieder auf und kriecht heraus. Das hat die Menschen an den Stein erinnert, der vor Jesu Grab gelegen hat - und der zu Ostern beiseite gerollt war. So wurde die Schnecke zum Symbol für die Auferstehung. Für die Auferstehung, die uns allen verheißen ist. – Also ist es auch kein Zufall, dass wir hier in unserem Heilsbrunnen eine Schnecke finden.
[Wenn alle 12
Konfirmationssprüche herausgefischt sind und zusammen mit Fisch und Schnecke an
der Pinnwand hängen:]
Nun haben wir hier – neben dem Fisch und der Schnecke - eine ganze Reihe von biblischen Verheißungen, Mitteilungen, aber auch Aufforderungen zu bestimmtem Verhalten aus unserem Brunnen herausgefischt. Bibelverse, die euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, gleich zugesprochen werden. Jedes Mal handelt es sich um eine eigene Formulierung des Evangeliums, um einen eigenen Ausdruck der guten Botschaft, von der die Bibel erzählt:
Dass Gott sich uns Menschen zuwendet, dass er sich um uns kümmert, dass er aber auch von uns ein bestimmtes Verhalten gerne sieht, wenn wir nämlich in seinem Sinne, im Sinne der Nächstenliebe, mit unseren Mitmenschen zusammenleben, - dass er unsere guten Bemühungen unterstützt und uns dadurch ein gelingendes Leben schenken will, dass er uns begleitet durch unser ganzes Leben hindurch, durch Freud und Leid hindurch, dass er uns niemals im Stich lässt und uns sogar darüber hinaus das Ewige Leben verheißen hat.
Es sind dies alles Formulierungen, die für uns wie Kraft und Leben spendendes Wasser sein können, wie Wasser des Ewigen Lebens, ewiger Freude und ewigen Heils. Dieses Wasser sprudelt ohne die Gefahr des Versiegens aus den Heilsbrunnen, von denen uns der Prophet Jesaja erzählt. Es sind Brunnen, die niemals so werden wie der Brunnen der alten Burgruine, von dem ich am Anfang erzählt habe.
Auf die Heilsbrunnen Gottes dürfen wir unser Vertrauen setzen, dürft ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, euer Vertrauen setzen. Möge dieses Vertrauen euch jederzeit stärken und Euch Mut und Kraft für euer Leben geben. Für euer ganzes noch vor Euch liegendes Leben. Amen.
Pfarrer Karsten Schneider