www.kirchhoer.de

Evangelische Kirchengemeinde
Kirchhörde

Konfirmationen 2003

Fotos und Namen der Konfirmanden:

Jubilate 11.5.2003 - Kantate -18.5.2003 - Rogate 25.5.2003

Predigt über Psam 8,5 (Pfarrer Schneider, Pfarrer Nitzke)
(Eine Radioandacht [2 min] zu dieser Predigt gibt es hier: mit Text - direkt anhören [mp3])

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Pfr. Schneider: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Pfr. Nitzke: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, das ist nun der Abschluss von fast zwei Jahren Konfirmandenunterricht. Zwei Wochenenden in der Jugendherberge, ein Jahr jeden Dienstag Unterricht und ein halbes Jahr Blockunterricht einmal im Monat, was haben wir gelernt? Sechs Texte! Vater Unser und Glaubensbekenntnis sind mit dabei, insgesamt eine DIN-A4-Seite. War das alles?

Dafür hätte eine Woche gereicht. Gelernt haben wir noch mehr. Wir haben uns kennen gelernt, wir haben Kirche kennen gelernt. Obwohl wir nur eine kleine Tür geöffnet haben und im Prinzip nur einen kleinen Blick durch den Türspalt geworfen haben. Es gibt noch viel mehr zu entdecken. Wir wollten euch eigentlich nur neugierig machen, auf das, was es zu entdecken gibt. Kirche entdecken heißt auch, Mut haben, Fragen zu stellen.

Eine Frage , die sich heute hier natürlich stellt, ist die Frage nach Gott. Wie ist das mit Gott? Gibt es den überhaupt? Ist er ein gerechter Gott, liebt er uns, kann er überhaupt an so viele Menschen gleichzeitig denken? Glauben wir an Gott?

Fragen, die wir wohl nie ganz beantworten können? Also stellen wir doch mal eine andere Frage: „Glaubt Gott an uns? Glaubt Gott an den Menschen?" Was ist überhaupt der Mensch, dass sich ein Gott allmächtiger Gott, der wirklich andere Sachen machen könnte mit ihm befasst?

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Frau Kunzer hat uns diesen Text aus dem achten Psalm eben verlesen. Was ist der Mensch? Müssen wir nicht ganz klein werden, wenn wir die Herrlichkeit von Gottes Schöpfung sehen, oder stehen wir wirklich nur eine kleine Stufe unter Gott, wie es im Psalm heiß? Was ist der Mensch? Wir sind nicht die einzigen, die sich diese Frage stellen.

Herbert Grönemeyer – Mensch

Momentan ist richtig,

momentan ist gut
nichts ist wirklich wichtig
nach der Ebbe kommt die Flut
am Strand des Lebens
ohne Grund ohne Verstand
ist nichts vergebens
ich bau die Träume auf den Sand

Und es ist, es ist okay
alles auf dem Weg. und es ist Sonnenzeit
unbeschwert und frei
und der Mensch heißt Mensch
weil er vergisst, weil er verdrängt
weil er schwärmt und stellt,
weil er wärmt wenn er erzählt
und weil er lacht, weil er lebt - du fehlst!

Pfr. Schneider: Ja, liebe Konfirmanden, liebe Festgemeinde, das ist ein faszinierendes Lied, wie ich finde, und ein ganz dichter, gedankenvoller Text. Jede einzelne Zeile wäre es wert, besonders bedacht zu werden. Ich möchte an dieser Stelle nur eine Halbzeile herausgreifen, eine Halbzeile, die mich besonders anspricht, nämlich: „weil er lacht".

„Und der Mensch heißt Mensch, .. weil er lacht .." – Dass wir lachen können, das wissen wir alle. Herbert Grönemeyer ruft uns das Lachen hier aber als ein besonderes Kennzeichen des Menschen in Erinnerung. – Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal gelacht? Und worüber haben Sie da gelacht? Wann habt Ihr Konfirmanden das letzte Mal gelacht? Und mit wem? Und worüber?

Es gibt ja ganz viel Unterschiedliches, worüber man lachen kann. Über das Missgeschick anderer, über sich selbst, über einen guten Witz, über ein Missverständnis, darüber, dass sich jemand komisch verhält, darüber, dass einen jemand auf den Arm nehmen will, aber natürlich auch über einen Erfolg, über ein wunderbares Erlebnis, über das Lachen eines Babys, das wir alle, als wir klein waren, gelacht haben, oder man lacht einfach nur aus der Freude am Leben heraus.

Kürzlich habe ich zufälligerweise im Radio gehört, dass dort Leute anrufen sollten, die dann auf Kommando lachen mussten. Das hörte sich z.T. wirklich wie das Lachen über irgendein bestimmtes Ereignis an, aber es war klar: Es war einfach nur ein Lachen aus Freude am Lachen. Und ich finde es wunderbar, dass es schon ausreicht, einfach die Freude am Lachen und am Leben mal zum Anlass zu nehmen, drauf los zu lachen ...

Und wenn erst einmal gelacht wird, ja dann stimmen häufig viele mit ein. Lachend ist ansteckend. Vor allem, wenn jemand dabei ist, der rückwärts lacht – also die Luft beim Lachen einzieht. Das ist super ansteckend. Oder aber diese Nummer mit den Lachsäcken. Die sind auch meist recht ansteckend. Die Jugendlichen und auch die meisten Eltern werden das ja kennen ... [Lachsack wird vorgeführt.]

Auch in der Bibel wird übrigens gelacht: Da ist z.B. der Abraham, der – so steht es im 1. Buch Mose, Kapitel 17 – herzhaft darüber lacht, dass er und seine Frau als wirklich alte Menschen noch ein Kind bekommen sollen, wie es ihm vorhergesagt wird. Aber dann haben Sara und er tatsächlich ein Kind bekommen – und vielleicht hat ja dann Gott darüber gelacht, dass die Eltern nun ziemlich verblüfft waren. Unser Gott ist nämlich bestimmt nicht so humorlos, wie das manchmal dargestellt wird ...

So hat es z.B. auch in der Kirche früher das sogenannte Osterlachen gegeben. Da musste der Pfarrer am Ostersonntag mit einem gehaltvollen Witz die Gemeinde zum Lachen bringen. Letztlich wurde aber darüber gelacht, dass der Tod nun – nach der Auferstehung Jesu - als überwunden aufgefasst werden konnte, nur noch als Durchgangsstation. – Dieses Osterlachen war ein schöner Brauch, der mittlerweile leider verloren gegangen ist, der aber zeigt: Eigentlich befreit der christliche Glaube zum Lachen und führt zur Freude am Leben. Und damit wirkt er dann auch lebensverlängernd, denn Lachen ist ja gesund.

Wir Menschen also, wir können und wir dürfen lachen. Lachen ist ein ganz tolles Geschenk unseres guten Gottes. Und so wünschen wir Euch Konfirmanden, dass Ihr das Lachen niemals verlernt – und dass, wenn Ihr es doch einmal verlieren solltet, Ihr es dann bald wiederfindet.

Das Firmament hat geöffnet
wolkenlos und ozeanblau
Telefon, Gas, Elektrik
unbezahlt und das geht auch
teil mit mir deinen Frieden
wenn auch nur geborgt
ich will nicht deine Liebe
ich will nur dein Wort

Und es ist, es ist okay alles auf dem Weg und es ist Sonnenzeit, ungetrübt und leicht
und der Mensch heißt Mensch
weil er irgendwann erkennt
und weil er hofft und liebt
weil er mitfühlt und vergibt
und weil er lacht, und weil er lebt - du fehlst!
ohh, weil er lacht, weil er lebt - du fehlst!

Pfr. Nitzke: Der Mensch ist nicht allein auf der Welt. Gut, das sind viele andere Wesen auch nicht, aber der Mensch ist sich dessen bewusst. Der gläubige Mensch sagt, das kommt daher, weil Gott ihm die Fähigkeit dazu gegeben hat zu erkennen, dass es nicht nur sich selbst gibt. Und wenn er das sieht, dann muss er überlegen wie er mit dem anderen Menschen umgeht. „der Mensch heißt Mensch, weil er irgendwann erkennt und weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt" singt Herbert Grönemeyer. Der Mensch erkennt, dass er nicht alleine ist. Und sofort ringt sich sein ganzes Denken und Handeln, und das Zusammenleben der Menschen untereinander. Ich brauche andere Menschen! Als Kind um mit ihnen zu spielen, dann um von ihnen etwas zu lernen, später, um die Liebe zwischen Menschen zu entdecken. Dabei erkenne ich, der andere Mensch, ist keine Maschine, er ist Mensch, der lebt, lacht und fühlt genau wie ich.

Das macht den Mitmenschen so sympathisch, er ist ein Mensch genau wie ich, aber irgendwie doch ein bisschen anders, das macht ihn sympathisch.

Sympathie, das ist es worauf es ankommt, und das heißt nicht einfach, dass die Mädchen die Jungen vielleicht „soooo süüüß" finden, und die Jungen die Mädchen „umwerfend hübsch", Sympathie, das heißt übersetzt: „mitleiden, mitfühlen".

Ich kann mich in den anderen Menschen hineinversetzen, ich kann verstehen, was er denkt, wann er sich freut, wann er krank ist und meine Hilfe braucht, wann ihm etwas weh tut.

Und ich kann fühlen, wann ich ihm weh getan habe, wann ich etwas von ihm brauche, nämlich Vergebung.

Leider ist es so, dass Menschen, nie ohne Leid und Schmerz auskommen. Sie werden immer einander weh tun. Das hätte Gott schon einmal fast dazu bewogen, das „Experiment Mensch" für gescheitert zu erklären. Doch bei der Sintflut ist es nicht stehen geblieben. Er hat es mit den Menschen wieder versucht. Obwohl sie sich wehtun. Aber er hat sie darin bestärkt sich zu vergeben, weil auch er vergibt. Sich vergeben, immer wieder neu anfangen, das ist es was den Menschen ausmacht.

Und das geht nur, wenn ich versuche zu fühlen, wie mein Mitmensch, wenn ich ihn genauso als Geschenk Gottes ansehe wie mich, wenn ich mich freue, wenn er lacht, wenn ich mit ihm traurig bin, wenn er weint, wenn ich versuche, mit ihm gemeinsam auf den richtigen Weg zu gehen. Gott macht den Menschen zum Menschen, indem er ihm Gefühl schenkt. Der Mensch ist nicht nur von Instinkten gesteuert. Er kann verletzen, er kann vergeben, er kann mitfühlen, er kann sympathisch sein.

Wir wünschen Euch, dass Ihr immer Menschen an der Seite habt, die euch sympathisch sind und denen Ihr sympathisch seid, Menschen mit denen Ihr lachen könnt, und die bei euch sind, wenn Ihr weinen müsst.

Oh, es ist okay
alles auf dem Weg
und es ist Sonnenzeit
ungetrübt und leicht
und der Mensch heißt Mensch
weil er vergisst, weil er verdrängt
und weil er schwärmt, und glaubt
sich anlehnt und vertraut
und weil er lacht und weil er lebt
du fehlst!

ohh , es ist schon okay
es tut gleichmäßig weh
es ist Sonnenzeit
ohne Plan ohne Geleit
der Mensch heißt Mensch
weil er erinnert, weil er kämpft
und weil er hofft und liebt
weil er mitfühlt und vergibt
und weil er lacht und weil er lebt - du fehlst!
oh weil er lacht und weil er lebt - du fehlst!


Pfr. Schneider:
Recht bald zu Beginn dieses Liedteiles heißt es: „weil er schwärmt, und glaubt - sich anlehnt und vertraut".

Wenn vom Schwärmen die Rede ist, dann handelt es sich oft um einen ganz bestimmten Schwarm. Meist geht es dabei um einen Menschen, um jemanden, der angehimmelt – in den Himmel gehoben - wird, dem die Schwärmer und Schwärmerinnen am liebsten die Welt zu Füßen legen möchten. Dieser Schwarm, das kann die große Liebe sein – oder auch ein Pop-Star, ein Fußballer oder sonst ein Sportler, eine Schauspielerin, eine Sängerin oder oder ...

Grönemeyer bringt hier in dieser Strophe das Schwärmen nun mit dem Glauben in Verbindung. Das ist auf den ersten Blick irritierend. Aber es stimmt doch: Wenn man von jemandem schwärmt, dann glaubt man, dass er oder sie ganz toll ist. Dass er oder sie bestimmte herausragende Fähigkeiten hat, die sonst keiner so besitzt ... Dann glaubt man – so könnte man formulieren – in gewisser Hinsicht an diesen Schwarm und an das, was er oder was sie kann.

Und da lässt man sich dann auch nicht so leicht von abbringen: Das ist nicht einfach nur so ein Glaube nach dem Motto „Ach, ich weiß nicht so recht", sondern das ist mehr. Das ist die tiefe innere Überzeugung, dass dieser Schwarm etwas ganz Besonderes ist.

Ja, und ich denke, dass dies mit dem christlichen Glauben auch so ähnlich ist. Die ersten Jünger und die Jüngerinnen haben ganz bestimmt von Jesus geschwärmt – und von dem Gott, von dem er ihnen erzählt hat, den er ihnen und damit auch uns nahe gebracht hat. Und nur weil die ersten Christen so sehr geschwärmt haben von diesem Jesus und so sehr an ihn und an Gott als seinen Vater geglaubt haben, nur deshalb hat sich ja auch das Christentum so weit ausgebreitet. Auf einmal gerieten ganz viele andere Menschen mit ins Schwärmen, ließen sich anstecken von diesem Glauben an diesen guten Gott.

Beim Schwärmen muss man nun allerdings aufpassen, dass man nicht auf die Nase fällt. Wenn man auf einmal entdeckt, dass der Schwarm ja doch nur ein ganz normaler Mensch ist mit den gleichen Schwächen wie Du und ich, dann kann das ganz schön ernüchternd sein.

Aber das ist dann auch, so denke ich, der Unterschied zwischen dem Schwärmen über Menschen und dem Schwärmen über Gott. Bei Gott können wir nicht auf die Nase fallen. Da kann unser Glaube nicht enttäuscht werden, da können wir uns wirklich anlehnen, ohne Angst vor dem Umfallen haben zu müssen. Da dürfen wir wirklich vertrauen.

„Und der Mensch heißt Mensch, ... weil er schwärmt und glaubt - sich anlehnt und vertraut". Wenn es uns gelingt, all diese Fähigkeiten, die Gott uns geschenkt hat, nicht nur gut in Bezug auf unsere Mitmenschen einzusetzen, sondern auch auf Gott zu beziehen, dann, so bin ich fest überzeugt, bahnt sich der Weg zu einem gelingenden Leben, zu einem Leben auf festem Grund. Und so wünsche ich Euch Konfirmanden, dass Euch eben dies gelingen möge.

ohhh, lalala

Und es ist, es ist okay - alles auf dem Weg
und es ist Sonnenzeit - unbeschwert und frei

Pfr. Nitzke: Es ist okay. So einfach kann das Leben sein, auf den ersten Blick! Aber dass das Leben nicht einfach ist, habt Ihr auch mit euren vierzehn Jahren schon gemerkt.

Es ist okay. Es ist in Ordnung.

Manchmal gerät die Ordnung allerdings aus den Fugen, aber gemeinsam kriegen wir es wieder hin.

Es ist okay. Bei der Konfirmation, sagt ihr. „Es ist okay" zu Gott. Auch wenn viele Fragen offen bleiben. Wer ist Gott? Warum handelt er so und nicht anders? Ist er in der Bibel richtig beschrieben? Können wir ihn heute noch erleben?

Alle Fragen können wir nicht beantworten, aber wir sind auf dem Weg, unbeschwert und frei. Gott macht uns frei, alles Schwere hat er auf sich genommen, in der Last des Kreuzes, die Jesus für uns getragen hat. Er macht uns frei von Angst um unser Leben, unbeschwert und frei können wir den Weg gehen.

„Es ist okay", das sagt Gott zu uns. was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Gott sagt zu uns, „du bist okay."

Mit diesem Zuspruch Gottes können wir uns auf den Weg machen. Du bist okay, in aller Unvollkommenheit, denn du kannst lachen, mitfühlen, vergeben, schwärmen und glauben.

Die Frage vom Anfang wird uns nun leichter. Kann ich überhaupt an Gott glauben? Ich kann es, weil Gott an mich glaubt. Amen.

Pfr. Schneider: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

www.kirchhoer.de