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Evangelische Kirchengemeinde
Kirchhörde

Konfirmation 2007

am Sonntag Kantate, 6.5.2007

Carlotta Bommert

Annika Buchholz

Lena Hartwich

Rebecca Kaup

Yvonne Kobusch

Catherine Kroll

Patrick Mielers

Miriam Mintz

Maximilian Off

Clarissa Spönemann

Tobias Ullering

Constance Weber

 „Denn deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Treue, so weit die Wolken gehen.“

Ps 108,5

Predigt

Pfarrer Karsten Schneider, Pfarrer Michael Nitzke

Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Paten und Familien, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

 M.N.: Ab dem heutigen Tag seid Ihr gefestigt im Glauben. So sagt es jedenfalls das Wort Konfirmation. Bei der Taufe konnten die meisten von euch nicht gefragt werden, ob oder was ihr glaubt. Eure Eltern haben Euch in dem Glauben aufwachsen lassen, in dem sie selbst leben. Ihr habt euer ganzes Leben lang etwas von Gott und seinen Geschichten mit den Menschen gehört. Bei manchen fing das schon in der Krabbelstube an und ging über den Kindergarten bis zur Schule, bis zum Konfirmandenunterricht.

Heute nun soll euer Verhältnis zu Gott auf eigenen Füßen stehen, heute seid Ihr selbst verantwortlich. Verantwortlich für das, was ihr glaubt, auch für das, was ihr nicht glaubt.

Große Worte sind das, vielleicht eine Nummer zu groß. Viele machen sich vielleicht gar nicht solche Gedanken, viele lassen sich treiben von dem, was so passiert. Wird schon alles in Ordnung sein. Ist ja schließlich Tradition, das macht man so:  Man lässt sich halt konfirmieren, und die Geschenke helfen einem über die letzten Zweifel hinweg.

Und dann, wenn das Fest zu Ende ist, und die Geschenke ordentlich auf dem Konto verbucht sind, was ist dann? Denkt man dann noch an Glauben, denkt man dann noch an Gott?

Vielleicht nicht sofort … Vielleicht nicht gleich nächste Woche, aber Ihr werdet in Eurem Leben immer wieder mit der Frage nach Gott konfrontiert. Wie soll ich glauben? Wie kann ich glauben? Ist Gott überhaupt da? Und wenn ja, hilft er mir weiter oder macht er mir das Leben einfach nur schwer?

Es hat sich ja herumgesprochen, dass wir bei den Konfirmationen gerne in die aktuelle Musik hineinhören, um hier die Frage nach Gott zu entdecken. Wir tun das, weil wir meinen, wenn Leute, die nach Gott fragen, damit in die Charts kommen, wenn ihre Auseinandersetzung mit dem Glauben sich in den CD-Schubladen von Millionen von Menschen wieder findet, dann kann der Glaube nicht so von gestern sein. Dann lohnt es, sich damit auseinander zu setzen, und dann scheint es wohl doch nicht uncool zu sein, sich mit dem Glauben zu beschäftigen.

Also schauen wir mal, was sich da anbietet. Die Fantastischen Vier drängen sich mit einem fast biblischen Titel auf: „Wir ernten was wir säen.“

Der Prophet Hosea hat es noch kräftiger gesagt: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten.“

Will mir, will mir bitte, bitte jemand das mal erklären? - Niemand, niemand kann's dir, kann's dir sagen, sagen, keiner, keiner kennt die Antwort, die Antwort auf alle, alle deine, deine Fragen, Fragen. Du musst, du musst nur verstehen, verstehen: wir ernten, ernten was wir, was wir säen.

Die vier Deutsch-Rapper befassen sich zwar mit der biblischen Frage, warum es dem einen besser geht und dem andern schlechter, doch dann beschäftigen sie sich eher mit sich selbst. Die Jungs werden eben auch älter.

Gibt es keine Jüngeren, deren Texte man verstehen kann? Da gibt’s eigentlich nur eine Gruppe, von den einen geliebt, von den anderen gehasst, aber jung sind sie wenigstens. Weiß der Himmel, warum sie sich nach einem Hotel in Tokio nennen. „Heilig“, so heißt ein Lied auf Ihrer neuen CD.

Ich glaub an Dich. Du wirst für mich - immer heilig sein. Ich sterb - für unsere Unsterblichkeit. Meine Hand - von Anfang an…

Sie spielen mit biblischen Begriffen, nicht nur „Heilig“ kommt drin vor, auch Begriffe wie Unsterblichkeit und Erlösung müssen herhalten, und dann dieses „Ich glaub an Dich“. Spätestens da wird klar, es ist doch nur eine Liebesschnulze verbrämt mit religiösen Begriffen. Wahrscheinlich sind die bei denen noch von der Konfirmation hängen geblieben. Also hören wir doch mal nach, was die älteren Herrschaften sich so für Gedanken machen:

Warum in seinem Namen

Wir heissen selber auch     

Wann stehen wir für unsere Dramen

Er wird viel zu oft gebraucht

Alles unendlich, unendlich

Welche Armee ist heilig

Du glaubst nicht besser als ich

Die Bibel ist nicht zum Einigeln

Die Erde ist unsere Pflicht

Sie ist freundlich, freundlich, wir eher nicht

Ein Stück vom Himmel -  Ein Platz von Gott

Ein Stuhl im Orbit - Wir sitzen alle in einem Boot

Hier ist dein Haus - Hier ist, was zählt

Du bist überdacht  Von einer grandiosen Welt

K.S.: „Ein Stück vom Himmel“ – so singt Herbert Grönemeyer. Und mit diesem Lied hat er es zwischenzeitlich bis auf Platz 1 der deutschen Charts geschafft. Warum ist er damit so weit gekommen?

Ist es, weil wir uns alle nach einem „Stück vom Himmel“ sehnen? Nach Glück, Frieden und Gesundheit, nach guten Noten und einem möglichst sorglosen Leben? Wer träumt nicht vom „Himmel auf Erden“? Möglichst schnell und gleich hier?

„Ein Stück vom Himmel“ – ist es nicht das, was auch die großen Religionen den Menschen versprechen? Nur, dass sie wissen, dass man den Himmel letztlich nicht auf die Erde holen kann, dass ein wirklich himmlisches Leben nur in einem Jenseits möglich ist.

Aber Herbert Grönemeyer ist ja auch bescheiden. Er will ja nicht den ganzen Himmel im Hier und Jetzt. Er singt nur von einem „Stück vom Himmel“ – auch er weiß, dass der ganze Himmel sich hier nicht verwirklichen lässt. In einer Welt, in der die Menschen in die Freiheit entlassen sind, Gutes, aber auch Böses zu tun, da wird es nie völlig himmlische Zustände geben können …

Die Bibel erzählt ja ganz am Anfang die Geschichte vom Sündenfall, und diese Erzählung meint, so denke ich, eben genau dies: Der Mensch, der in die Freiheit – in die Gott-Losigkeit – gehen will, der bezahlt diese Freiheit mit der Möglichkeit von Leid und Schmerz, von Übel und Schlechtigkeiten. - Eben gerade kein Himmel auf Erden.

Der freie Mensch kommt aber dennoch von Gott nicht ganz los. Und das ist gut so. Denn Gott lässt uns zwar in großem Maße frei, aber passt trotzdem auf, dass wir nicht zu tief fallen. Ähnlich wie Eltern, die bei der Erziehung ihrer Kinder auch immer überlegen müssen: Wie viel Freiheit darf ich meinem Kind zugestehen? Und ab wann wird es zu gefährlich?

Gott lässt seine Welt niemals ganz aus den Augen. Er liebt uns eben; und auch umgekehrt ist unsere Sehnsucht zurück zum Himmel sehr groß, tief in uns allen verborgen … Und ich glaube, das ist auch ein Stück weit die Erklärung dafür, warum Grönemeyer mit diesem Titel wieder so viel Erfolg hat …

„Ein Stück vom Himmel – ein Platz von Gott“ - das passt nun auch ganz wunderbar zu dem Vers aus Psalm 108, den wir euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, als Leitvers für den heutigen Tag ausgesucht haben: „Denn deine Gnade, Herr, reicht, so weit der Himmel ist, und deine Treue, so weit die Wolken gehen.“ Gottes Gnade ist endlos, das will der Psalmbeter mit seinen Bildern ausdrücken. Ein Stück von diesem Himmel voller Gnade ist deshalb auch für jeden reserviert, auch sicher schon im Hier und Jetzt - und auch in Euren Leben, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.

„Du bist überdacht – von einer grandiosen Welt“ – so singt Grönemeyer weiter. Du bist überdacht – von Gottes unendlicher Liebe, von seiner Gnade und seiner Treue – so könnte man diese Formulierung sinngemäß auf unser Psalmwort münzen. Überdacht – von Gottes schützender Hand, gleich, was Du auch alles erleben wirst in Deinem Leben. Gleich, zu welchen neuen Ufern du aufbrechen wirst.

Darauf – auf Gottes liebevolle Begleitung - darfst Du, darauf dürft Ihr aber auch vertrauen, wenn Ihr neue Aufgaben angeht – und dass es sich auch darum handelt, im Leben Aufgaben anzupacken, das macht Grönemeyer ganz klar: „Die Bibel ist nicht zum Einigeln - die Erde ist unsere Pflicht“ – das geht gegen eine billige Vertröstung auf eine bessere Welt im Jenseits, zu der die Religionen manchmal missbraucht werden. Richtet man nur den Blick auf dieses Jenseits, dann wird man im Diesseits träge. Stattdessen sollen wir aber auch als Christen hier und jetzt Verantwortung übernehmen und keinesfalls die Hände in den Schoß legen. „Die Erde ist unsere Pflicht.“ Gottes Schöpfung soll uns am Herzen liegen – gerade in diesen Zeiten des Klimawandels. Aber auch das Zusammenleben der Menschen auf der Erde zu gestalten, auch das ist unsere Aufgabe.

Wir haben ja bei der Vorbereitung auf den Vorstellungsgottesdienst gehört - als wir uns mit dem Vaterunser beschäftigt haben - , dass die Zeile „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“, dass diese Zeile durchaus auch eine Aufforderung an uns ist: Dass wir nämlich dafür sorgen sollen, dass möglichst viel von Gottes Wille auch schon hier auf Erden verwirklicht wird. „Die Bibel ist nicht zum Einigeln.“ - Aber: Man muss mit ihr dann auch das Richtige tun. Man darf nicht in Gottes Namen Dinge tun, die Gottes Willen entgegenstehen. Gar Kriege in Gottes Namen führen: „Warum in seinem Namen?“ fragt Grönemeyer, und: „Welche Armee ist heilig?“ - Hier geht es um die Verlogenheit so mancher Moral, die sich scheinbar auf Religion gründet, aber das Miteinander der Religionen und damit der Menschen nur schwierig macht:


Religionen sind zu schonen
Sie sind für die Moral gemacht

Da ist nicht eine hehre Lehre

Kein Gott hat klüger gedacht

Ist im Vorteil, im Vorteil

Welches Ideal heiligt die Mittel

Wer löscht jetzt den Brand

Legionen von Kreuzrittern

Haben sich blindwütig verrannt

Alles unendlich, warum unendlich, krude Zeit

Ein Stück vom Himmel - Ein Platz von Gott

Ein Stuhl im Orbit - Wir sitzen alle in einem Boot

Hier ist dein Heim - Dies ist dein Ziel

Du bist ein Unikat, das sein eigenes Orakel spielt

Es wird zuviel geglaubt - Und zuwenig erzählt

Es sind Geschichten - Sie einen diese Welt

Nöte, Legenden - Schicksale, Leben und Tod

Glückliche Enden - Lust und Trost

M.N.: Ja, das Stück vom Himmel, ist wirklich nicht so leicht zu verdauen, wie der Titel verspricht. Es wird zuviel geglaubt, singt Grönemeyer. Vielleicht hätten wir doch lieber Tokio-Hotel nehmen sollen, da heißt es wenigstens „Ich glaub an Dich.“ Aber jetzt mal ehrlich. Wir beklagen uns zwar oft, dass zu wenig geglaubt wird, dass man zu wenig in die Kirche kommt, dass die Konfirmanden zuviel an die Geschenke denken, aber damit sind wir in unserem Wohlstandsland Deutschland ziemlich allein.

Das 21. Jahrhundert wurde von vielen schon als das Jahrhundert der Religionen gesehen. Und Herbert Grönemeyer hat in einem Interview zu diesem Lied gesagt, dass er in London, wo er lebt, den Kampf zwischen den Religionen täglich vor Augen hat. Dort sind die Bomben in U-Bahnen und Bussen explodiert, die einem wieder den 11.9.2001 vor Augen geführt haben.

Verständlich, dass manche sagen, ohne Religionen gäbe es solche Konflikte nicht. Die Millionen von Kreuzrittern, die er besingt, sind eben nicht nur die Ritter aus dem Mittelalter, die eine Blutspur bis ins heilige Land gezogen haben, das sind, so deuten es viele, auch die Soldaten, die heute meinen, sie könnten ihre Moral mit Kanonen in ein anderes Land bringen.

Aber ist Religion nur ein Ideal, das die Mittel heiligt? Ist sie nur eine Ausrede, um kräftig dreinzuschlagen? Er sagt zwar, Es wird zuviel geglaubt, aber auch: es wird zuwenig erzählt.

Vielleicht ist das der Schlüssel für die Menschen. Mehr erzählen, mehr miteinander reden. Das Problem unserer Zeit ist, dass man mehr übereinander redet als miteinander. Die anderen sind immer die schlimmen. Das kenne ich noch aus der Schule von den unterschiedlichen Klassen. Wir waren in der „c“, wir fühlten uns als die besten, die aus der „b“ waren schon komisch, aber mit denen aus der „a“ redete man erst gar nicht. In der Gruppe fühlt der Mensch sich stark, und da ist es leicht, gegen die anderen zu hetzen. Vielleicht ist es mit den Religionen so wie mit den Schulklassen, die andern sind immer die doofen.

Wenn man miteinander redet, würde man erfahren, wie der andere denkt, woran er Freude hat, wovor er Angst hat. Grönemeyer singt von Geschichten, die die Welt vereinen. Das können ganz alltägliche Geschichten sein: Geschichten vom Erwachsenwerden, Geschichten von der Liebe, Geschichten, wie wir sie in anderen Liedern oft hören. Geschichten aus den heiligen Schriften, sie erzählen davon, dass das Leben ein Geschenk ist, ein Geschenk, das es zu bewahren gilt. Sie erzählen von der Bedrohung des Lebens. Die Geschichte von der Sintflut steht nicht nur in der Bibel. Die Geschichte, wie Gott einen Vater daran hindert, seinen Sohn zu opfern, steht im Alten Testament und im Koran, die Namen der Akteure können sich dabei unterscheiden, aber die Geschichte ist die gleiche. Es sind Geschichten, sie einen diese Welt. Wenn wir einander unsere Geschichten erzählen, dann gehen wir nicht mehr aufeinander los, dann hören wir einander zu. Und ich meine, wenn wir einander von unserem Glauben erzählen, dann können wir diesen Glauben auch wieder mehr leben. Wenn wir unsere Geschichten und unser Leben miteinander teilen, dann wird unser Glauben uns nicht gegeneinander aufhetzen.

Ein Stück vom Himmel - Der Platz von Gott

Es gibt Milliarden Farben

und jede ist ein anderes Rot

Dies ist Dein Heim - Dies ist unsere Zeit

Wir machen vieles richtig

Doch wir machens uns nicht leicht

Dies ist mein Haus - Dies ist mein Ziel

Wer nichts beweist

Der beweist schon verdammt viel

Es gibt keinen Feind - Es gibt keinen Sieg

Nichts gehört niemand alleine

Keiner hat sein Leben verdient

Es gibt genug für alle

Es gibt viel schnelles Geld

Wir haben raue Mengen

Und wir teilen diese Welt

Wir stehen in der Pflicht

K.S.: Zu Anfang dieses Abschnittes, den wir soeben gehört haben, gibt es eine kleine, aber gewichtige Änderung; vielleicht haben Sie/ habt Ihr sie gehört: „Ein Stück vom Himmel – der Platz von Gott“. Nicht um einen Platz bei Gott geht es hier, sondern um Gottes Platz. Um den Platz Gottes, den Menschen – einige zumindest, viele vielleicht – gern einnehmen würden.

Macht zu haben wie Gott sie hat, über die Welt zu gebieten, auf einem Stuhl im Orbit zu thronen, von dem aus der blaue Planet regiert werden könnte – das sind durchaus verlockende Ideen. Aber der Wahn, dass sich der Mensch an die Stelle Gottes setzen will, diesen Wahn verurteilt die Bibel in vielen Geschichten, z.B. in der Erzählung vom Turmbau zu Babel. Hier wird berichtet, dass die Menschen einen Turm bauen wollten, „dessen Spitze bis an den Himmel reiche“ (Gen. 11,4), bis an den „Platz von Gott“ also. Dies lässt sich Gott nicht gefallen; er zerstört diesen Turm, dieses Symbol für die Überheblichkeit des Menschen.

„Ein Stück vom Himmel – ein Platz von Gott“ – so lautete der Text zu Beginn des Liedes. Und so gefällt er mir auch viel besser. Einen Platz, den Gott selbst für mich freihält, den er für jeden und jede von uns im Himmel reserviert – das ist letztlich doch die gute Nachricht des Christentums. Durch Jesus Christus haben wir den Weg von Gott selbst geebnet bekommen – hin zu einem Platz in Gottes Paradies. Daran zeigt sich ja gerade Gottes Gnade, die so unbegreiflich groß, so weit wie der Himmel ist. Und daran zeigt sich ja gerade seine Treue, die uns nicht loslässt, obwohl wir bis über die Wolken kommen wollen.

Dass wir von Gott einen Platz im Paradies bekommen, das ist auch ein Gedanke beim Abendmahl. Jede Abendmahlsfeier ist nicht nur ein Zeichen für die Gemeinschaft, die wir als Christen hier untereinander haben, sondern auch ein Zeichen für die Gemeinschaft, die Gott selbst uns einmal in seinem Reich schenken wird. „Ein Platz von Gott“ – beim so genannten himmlischen Abendmahl wird dieser Wunsch verwirklicht sein. - Zuvor aber haben wir alle unseren ganz eigenen und einzigartigen Platz in dieser Welt, unseren Platz, den wir ausfüllen dürfen und sollen. Auch dieser Platz ist „ein Platz von Gott“, ein Platz, den er uns in dieser Welt freigehalten und geschenkt hat – und auch jeder und jede von euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, hat so einen Platz.

Das alles dürfen wir glauben. Im naturwissenschaftlichen Sinne beweisen können wir es natürlich nicht. Aber der Beweis des Gegenteils, nämlich dass wir hier Absurdes glauben, der kann auch nicht erbracht werden. „Wer nichts beweist, der beweist schon verdammt viel.“ So singt Grönemeyer.

Es gibt Philosophen, die sehen das anders. Die sagen, religiöse Überzeugungen seien immun gegen Widerlegungen, weil sie sich auf Unbeweisbares richten. Und das sei ja nun wirklich wenig. Dennoch: „Wer nichts beweist, der beweist schon verdammt viel.“ Und an dieser Stelle halte ich es ohnehin mit dem berühmten Physiker Albert Einstein, der sinngemäß einmal folgendes gesagt hat: Je mehr man sich mit den Wundern dieser Welt beschäftigt, desto weniger kann man umhin, an Gott zu glauben, auch wenn man ihn nicht beweisen kann.

Nun, in der Geschichte dieses Glaubens hat man natürlich auch Fehler gemacht. Deshalb ist aber der Glaube als solcher nicht abzulehnen. Und ebenso wenig wie man den christlichen Glauben nicht einfach aufgeben sollte, weil man etwas an der Institution Kirche auszusetzen hat oder weil man auf der Abschlussfahrt nur den Sprudel der Jugendherberge trinken durfte, ebenso wenig sollte man auch gute moralische Grundsätze nicht aufgeben, nur weil vermeintliche Christen nicht danach gehandelt haben. Das schnelle Geld, von dem Grönemeyer singt, und das euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, heute vielleicht winkt, das darf einen nicht blind machen dafür, dass mit Besitz und Vermögen auch Verantwortung verbunden ist. Die Frage nach Gerechtigkeit wird euch in eurem Leben immer wieder einmal begegnen, die Frage nach der richtigen Verteilung von Geld, von Macht, aber auch von Gesundheit, vielleicht auch einmal von Regen. „Wir teilen diese Welt. Wir stehen in der Pflicht.“ Ja, da hat er Recht, dieser Grönemeyer. Auch und gerade aus christlicher Sicht. Wir dürfen teilen und abgeben, wie auch eure heutige Spende für das Gustav-Adolf-Werk so ein Abgeben gewesen ist. Und vielleicht werdet Ihr einmal merken, dass die Menschen innerlich am reichsten sind, die teilen und abgeben können, die Menschen, die freundlich sind.

Die Erde ist freundlich

Warum wir eigentlich nicht

Sie ist freundlich - Warum wir eigentlich nicht

M.N.: Ja, so einfach kann es sein: Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht? Die Erde ist nach unserem Glauben die Schöpfung Gottes. Oft sagen wir, sie ist ein Geschenk Gottes, aber eigentlich hat Gott sie uns nur geliehen, wir müssen sie unversehrt zurückgeben. Aber wir dürfen auf ihr stehen, einen festen Standpunkt haben. Gefestigt glauben, das heißt ja auch Konfirmation. Wenn wir glauben, dass Gott uns nicht allein in diese Welt gestellt hat, und daran fest halten, dass wir mit allen anderen Geschöpfen auf dieser Welt gut zusammen leben müssen, dann haben wir schon viel verstanden.

Wir wünschen euch, dass Ihr einen festen Standpunkt auf dieser Erde habt und dass ihr trotzdem von einem Stückchen Himmel träumen dürft. Wir wünschen euch, dass Gott euch die Kraft gibt, verantwortlich auf dieser Erde zu leben, und dass ihr mit allen Mitmenschen in Frieden leben könnt.

Wir wünschen euch Gottes Segen zu eurer Konfirmation. Amen.

K.S.: Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

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